Birgit Kipfer: "Kommunen dürfen sich bei Einführung der Werkrealschule nicht zu übereilten Handlungen zwingen lassen."

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Durch den Beschluss der Landesregierung, bereits im nächsten Schuljahr die neue Schulform der Werkrealschule flächendeckend einzuführen, sorgt schwarz-gelb im Land für große Verunsicherung unter Kommunen, Lehrern, Eltern und Schülern. Die Kommunen müssen bis Mitte Dezember 2009 den Antrag auf Einführung einer Werkrealschule gestellt haben, um für das nächste Schuljahr 2010 / 2011 zum Zug zu kommen.

Die Gärtringer Landtagsabgeordnete Birgit Kipfer empfiehlt den Kommunen im Kreis Böblingen jedoch abzuwarten und sich nicht in übereilte Entscheidungen drängen zu lassen, da es auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich sei, die Einführung der Werkrealschule für folgende Schuljahre zu beantragen.
„Mit der Entscheidung von CDU und FDP im Land, die neue Werkrealschule Knall auf Fall einzuführen, setzt die Landesregierung die Kommunen unter einen enormen Zeitdruck“, kritisiert Kipfer. „Die Absicht ist klar: Die Regierungsparteien wollen das Thema rechtzeitig vor der Landtagswahl im Frühjahr 2011 vom Tisch haben“, so die SPD-Abgeordnete weiter. „Den Schwarzen Peter schieben sie den Kommunen zu, die nun im Schweinsgalopp wichtige Weichen stellen müssen für die Zukunft der Schullandschaften vor Ort.“ Der Einstieg in die Werkrealschule werde über kurz oder lang die herkömmliche einzügige Hauptschule austrocknen. Dies sei in jedem Fall ein Verlust für die Menschen am Ort.
Sie plädiere dafür, dass Städte und Gemeinden sich dem Druck nicht beugen und auf einer eigenen Schulentwicklung beharren sollten, da auch in Baden-Württemberg auf die Dauer kein Weg an einem längeren gemeinsamen Lernen vorbei führe.
„Spätestens seit der ersten PISA-Studie ist es erwiesen, dass ein gemeinsames Lernen bis mindestens zur sechsten Klasse im Interesse der Kinder liegt. Unterschiedlich begabte Kinder profitieren auf den verschiedensten Gebieten voneinander, wenn sie gemeinsam lernen“, sagte Kipfer. Der Weg der schnellen Selektion mit der verbindlichen Grundschulempfehlung nach der vierten Klasse sei gescheitert und müsse abgeschafft werden, so die SPD-Politikerin. Zudem stelle sich die Frage für die Kommunen und Eltern, ob im derzeitigen dreigliedrigen System eine gut geführte Hauptschule mit ausgereiftem pädagogischen Konzept nicht besser für die Schülerinnen und Schüler sei, als eine überstürzt eingeführte Werkrealschule, die sich noch in der „Experimentierphase“ befinde.
Darüber hinaus komme mit dem Thema „Inklusion“ - also die Einbeziehung behinderter Kinder in die Regelschule, so wie es eine EU-Konvention auch für Deutschland fordert - eine weitere Herausforderung auf die Schulträger zu. Auch dies müsse mittelfristig bei der Neugestaltung des Schulsystems vor Ort berücksichtigt werden. Die SPD im Land setze deshalb auf die wohnortnahe und stadtteilbezogene Schule. „Da sind unterschiedliche Modelle denkbar. Die Schulträger sollten jedenfalls die Gelegenheit haben, auch nach eigenen Lösungen zu suchen“, so Kipfer. Und sie sollten Eltern, Schulleitungen und Kollegien ebenso einbeziehen wie die Kommunalpolitiker vor Ort.

 
 

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